Antirassistische Aktion beim Dürerparkfest

Im Rahmen des Dürerparkfestes findet jedes Jahr zum 1.Mai ein Seifenkistenrennen in Saalfeld statt. Dieses Jahr bauten AsylbewerberInnen zusammen mit Antira-AktivistInnen eine eigene Seifenkiste und starteten unerwartet vom Publikum eine Theateraktion. Während dessen wurde ein Redebeitrag verlesen und Flugblätter verteilt. Die Filmpiraten haben die Aktion dokumentiert, der Clip kann neben weiteren politischen Videos auch im Filmpiraten-Youtube-Kanal oder auf facebook angeschaut werden.

Quelle: http://www.filmpiraten.org

Update:

Der gehaltene Redebeitrag ist hier zu finden: klick

Die Arbeit nieder! Luxus für alle! Eine Kritik am Arbeitsfetischismus

Veranstaltungstipp: Vortrag von Stephan Grigat am Sonntag, 22. April 2012 ab 17 Uhr im Haskala

Ankündigungstext:

Der Papst verkündet, die Arbeit trage dazu bei, „Gott und den anderen näher zu sein.“ Bei der NPD firmiert „Arbeit“ noch vor „Familie“ und „Vaterland“ und linke Gruppen drohen ihren Gegnern in ihren abgehalfterten Demosprüchen an, sie „in die Produktion“ zu schicken und klammern sich an die Sklavenparole „Die Arbeit hoch!“ Statt für die Bedingungen der Möglichkeit individueller Freiheit und gesellschaftlicher Autonomie zu streiten, für eine Art produktiven Müßiggang, sucht man in der Schinderei der Arbeit Erfüllung – und findet sie womöglich auch noch.

Schon Hitler proklamierte in „Mein Kampf“ „den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.“ Wie ernst der Führer das gemeint hatte, konnte man später über den Toren der Vernichtungslager nachlesen. In der Huldigung des Prinzips der Arbeit finden rechts und links, sozialdemokratischer Etatismus und liberaler Verwertungswahn zueinander. Ob linke Globalisierungsgegner, christliche Sozialethiker oder faschistische Produktivitätsfanatiker: Helfershelfer bei der Rettung der Arbeit soll der Staat sein, der den zügellosen, nicht dingfest zu machenden Marktkräften den Betrug an der „ehrlichen Arbeit“ verunmöglichen soll: Kein Arbeitsfetischismus ohne Staatsfetischismus.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und engagiert sich bei Café Critique (www.cafecritique.priv.at). Er ist Autor von „Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus“ (ça ira 2007) sowie Herausgeber von „Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus“ (ça ira 2006).

Quelle: http://haskala.de

Vortrag: Neonazi-Strukturen in Saalfeld-Rudolstadt und Verbindungen zur „NSU“

Veranstaltungstipp: Freitag, 13.04.12 um 19.00 Uhr im Stadtmuseum Saalfeld

Für den 13.04.2012, 19.00 Uhr laden die Landtagsabgeordneten Katharina König (DIE LINKE) und Peter Metz (SPD) zu einer Informationsveranstaltung ins Saalfelder Stadtmuseum:

Vor dem Hintergrund der NSU-Mordserie soll die Entwicklung der neonazistischen Szene seit den 90er Jahren und ihre Verbindungen in die Region Saafeld-Rudolstadt dargestellt werden. Der damalige Radikalisierungsprozess ist genauso Schwerpunkt wie die aktuellen Aktivitäten der rechten Szene im Landkreis. Außerdem soll ein Einblick in die Arbeitsweisen, Strukturen und Inhalte des Untersuchungsausschusses „Rechtsterrorismus und Behördenhandeln“ des Thüringer Landtags gegeben werden. Anschließend sind alle Interessierten zur Diskussion eingeladen: Wie kann in der Zusammenarbeit von Politik, Behörden und Zivilgesellschaft Rassismus und Antisemitismus bekämpft, sowie die weiter bestehenden neonazistischen Strukturen in Saalfeld-Rudolstadt eingedämmt werden?

Der Eintritt ist kostenfrei. Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Quelle: http://haskala.de

Im Anschluss findet im Klubhaus der Jugend ein Konzert mit Feine Sahne Fischfilet, Alltagsdasein und Die Rinder Vom Süderhof statt.

Aktuelles & Veranstaltungshinweise

Die antifaschistische Demonstration am 10.03.12 in Saalfeld ist erfolgreich und gut besucht gelaufen. Im Nachhinein wurde Sandro Witt (DGB) vom Radio F.R.E.I. Erfurt interviewt:

Für Informationen, wer eigentlich tonangebend hinter dem FN Saalfeld oder der NPD SLF-RU steckt, ist diese Homepage empfehlenswert:

http://saalfelder-nazis.info

Abschließend empfehlen wir euch jetzt schon mal folgende Veranstaltungen:

13.04.2012 Klubhaus Saalfeld
PUNX NOT DEAD

live:
*FeineSahneFischfilet
(antifa punk)
*Alltagsdasein
(möchtegernpunk)
*DieRinderVomSüderhof
(local punk)

19.05.2012 Klubhaus Saalfeld
RAK-Galaabend

Line-Up folgt

Damals wie heute – rechten Konsens brechen!

Antifaschistische Demonstration am 10.03.2012 14 Uhr in Saalfeld ab Bahnhof

Aufruf des Antifaschistischen Jugendbündnisses Saalfeld

Damals wie heute – rechten Konsens brechen

In den letzten drei Jahren fanden im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt mindestens 22 Konzerte der rechten Szene statt. Die Nazis verfügen mit dem „Alten Labor“ in Unterwellenborn, dem „Ostfeld 0“ in Schmiedefeld und der „Schwedenschanze“ in Deesbach über mehrere Locations, um regelmäßig Veranstaltungen durchführen zu können. Wäre es nach den Wählerinnen und Wählern im Landkreis gegangen, säße die NPD im Thüringer Landtag. Sie erzielte bei der Wahl 2009 hier das beste Ergebnis. Das Auftreten vom Freien Netz Saalfeld und der NPD wurde in der Vergangenheit immer offensiver und gipfelte schließlich am 03. März 2012 in den Spontandemonstrationen durch die Saalfelder Innenstadt und den Stadtteil Gorndorf.

Saalfeld nazifrei

Anstoß wird an diesen Umständen kaum genommen. Die meisten der Saalfelder Klubbesucher_innen und Partygänger_innen unter 20 haben vermutlich noch nie bei einem Besuch der zentral gelegenen Kneipen oder des „Klubhauses der Jugend“ Probleme mit Nazis erlebt. Konnten solche alltäglichen Aktivitäten in den 1990er Jahren noch in Schlägereien auf dem Heimweg oder Überfällen eines Nazi-Mobs enden, hören sich diese Vorfälle für die meisten Jugendlichen heute eher wie Räuberpistolen an. Sorgte früher eine starke linke Szene durch eher handfestes Vorgehen dafür, dass sich Faschos schon aus Eigeninteresse eher auf umliegende Städte und Dörfer verteilten, ist die Situation heute größtenteils von entpolitisierten Jugendlichen geprägt.
Mit dem Wegfall der Selbstbetroffenheit durch rechte Übergriffe und einem Erschlaffen der Naziszene verschwand auch die Einsicht, sich mit Nazis auseinanderzusetzen und gegen sie aktiv zu werden. Teile des Publikums, das an einem Tag mit Linken in Saalfeld feiert, klatscht am nächsten mit Faschos in der Disco ab. Mensch versteht sich und hat keine Probleme miteinander. Politik nervt sowieso und hat beim Party machen nichts verloren. Außerdem kennt mensch sich ja von früher aus der Schule und so übel ist der oder die in dem „Ruhm und Ehre der Wehrmacht“-T-Shirt auch nicht.
Solange Nazis keinen Stress bereiten und nicht gerade den nächsten Bekannten tätlich angreifen, gibt es keine Probleme. Sich über die menschenfeindliche Einstellung dieser Personen Gedanken zu machen, erscheint abwegig. Selbst in alternativen Locations reicht es mitunter, wenn der oder die rechtsoffene Dorfbewohner_in seine oder ihre Thor Steinar-Jacke zurück zum Auto bringt, um am Einlass durchgewunken zu werden.
Wenn Personen etwas gegen Nazis haben, geschieht dies eher selten aus der Einsicht, dass deren Verhalten ein Angriff auf die Einzigartigkeit jeder Person ist, sondern weil es Teil eines allgemeinen Grundverständnisses ist, dass „Nazis schon doof sind“ und mensch die ja nicht gut finden kann. Daraus resultiert dann auch, dass sich homophobe Beleidigungen wie „Schwuchtel“, sexistisches Verhalten und autoritäre Charaktereigenschaften quer durch alle Jugendszenen ziehen.

Nichts hat sich geändert

Von der lokalen Politik und Presse werden Nazis und ihre Aktionen so gut wie nicht wahrgenommen. Journalismus beschränkt sich im örtlichen Zonenblatt OTZ auf das Kopieren von Pressemitteilungen der Polizei. Ist sonst kein Anlass nichtig genug, um mit ihm die nächste Seite im Lokalteil zu füllen – sei es ein umgeworfener Blumenkübel auf dem Markt oder die neusten Brötchensorten beim Bäcker in Dorf XY – grenzt es an eine unlösbare Aufgabe nachzufragen und Öffentlichkeit zu schaffen, wenn es ständig zu Nazi-Veranstaltungen im Landkreis kommt. Ob dies aus fehlendem Interesse, Absicht oder schlichter Unfähigkeit geschieht – man befindet sich auf einer Linie mit den lokalen Parteien und Behörden. Es wird verschwiegen und wenn möglich, nicht wahrgenommen, was hier passiert.
Jede Form von Öffentlichkeit könnte der Stadt, Gemeinde und den Tropfsteinen im Touristenmagnet Feengrotten schaden. Wenn kritische Stimmen aufkommen, werden diese schlicht ignoriert oder als Panikmache von linken Chaoten_innen abgetan. Was die Familienministerin Kristina Schröder und konservative Kräfte mit ihrem Geschwätz vom Extremismus und der Gleichheit von links und rechts propagieren, ist bei der normalen Bevölkerung im Landkreis ohnehin Common Sense.
Wo NPD-Kader auf Kirmsen und Dorffesten seit Jahren anerkannte Bestandteile der Organisation und Dorfgemeinschaft sind, ist die Sensibilität für politische Themen generell nicht vorhanden. Eine rassistische und nationalistische Grundstimmung zeigte sich unter anderem, als die Pfarrersfamilie Neuschäfer an die Öffentlichkeit trat und die alltäglichen Zustände im Landkreis als Grund für ihren Wegzug nannte. Reflexartig reagierte die öffentliche Meinung mit bestem Volksgemeinschaftsverhalten und schob der Familie die eigentliche Schuld unter. Alltäglicher Rassismus, Hass auf Fremdes und Zustimmung zu Positionen eines Thilo Sarrazin sind, wie in anderen ostdeutschen Städten, Normalität. Weil nicht sein darf, was nicht sein kann, wird es weiterhin an linken Chaoten_innen hängen bleiben, Kritik an diesen Verhältnissen zu üben.

Damals wie heute
Unser Motto „Damals wie heute – rechten Konsens brechen!“ ist an jenes der verbotenen antifaschistischen Demonstration vom 11. Oktober 1997 angelehnt. 1997 sollte ebenfalls auf die Etablierung von faschistischen Strukturen im Landkreis aufmerksam gemacht werden. Auch wenn die Situation damals ungleich schlimmer war als heute, zeigen sich dennoch Parallelen. Nicht nur sind immer noch rechte Kader aus dieser Zeit aktiv, geändert hat sich auch das Verhalten der Bevölkerung nicht.
Die von Tino Brandt in den 1990ern maßgeblich mit Geldern des VS aufgebaute rechte Szene zieht ihre Spuren bis heute – sei es durch die Morde der NSU, welche aus dem „Thüringer Heimatschutz“ hervorging oder Nazikader, die inzwischen als Geschäftsleute gesellschaftlich akzeptiert sind und so Logistik und Geldmittel für die Szene bereitstellen. Die kritische Auseinandersetzung mit der rechten Ideologie und den faschistischen Strukturen wurde und wird mit Repression überzogen und die bürgerliche Gesellschaft wollte und will davon erst recht nichts wissen.

Jetzt mal ehrlich
Eine Demonstration wird die Verhältnisse hier nicht auf den Kopf stellen oder dauerhaft ändern. Dies wäre nur zu erreichen mit radikaler Gesellschaftskritik, die sich nicht mehr, wie die Feuerwehr, an den neuesten Schwelbränden neonazistischer Gruppen abarbeitet, sondern sich aus einer Position von marginalen Kleingruppen und Einzelpersonen löst, um gegen Staat und Kapitalismus zu arbeiten.
Solange dafür keine Perspektive besteht, darf es ein legitimes Ziel sein, dauerhaft Ruhe vor Nazi-Demos und deren Kadern zu haben. Dafür soll unsere Demonstration der Startschuss sein und den Winterschlaf in Saalfeld beenden.

Endlich wieder in die Offensive gehen!

Antifaschistisches Jugendbündnis Saalfeld